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AG David Schnarch

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Zwanghaftes Masturbieren

Eine Frau schrieb im Laufe ihres sexualtherapeutischen Prozesses folgendes auf:

Ich kann mich noch genau erinnern wie es anfing. Ich ging noch in die Grundschule. Der Pausenhof war zum Teil überdacht. Das Dach stand auf mehreren dünnen Betonstangen. Wir hatten so ein Spiel, bei dem man ganz schnell die Säule hochklettern musste, mit der Hand das Dach berühren und dann wieder runterrutschen konnte. Beim Runterrutschen spürte ich zum ersten Mal dieses angenehme Gefühl zwischen meinen Beinen.
Zu Hause probierte ich dann an allen möglichen Möbelstücken aus, ob ich dieses Gefühl wieder hervorrufen konnte.

Das nächste an das ich mich erinnere ist, dass ich dann als ich schon älter war ganze Nachmittage damit verbracht habe auf Stuhl- und Tischkanten rumzuschubbern und richtig süchtig nach diesem kurzen Schuß zwischen meinen Beinen war. Oft hatte ich es soweit getrieben, bis mir meine Klitoris total wehgetan hat und manchmal war ich so aufgeschürft, dass ich sogar geblutet habe. Die Orgasmen, die ich jedes Mal innerhalb weniger Minuten bekommen habe, waren kurz und oberflächlich. Sie brachten mir keine Entspannung und Entlastung. Im Gegenteil- nach jedem Mal, fühlte ich mich mehr unter Druck, mehr getrieben, nervöser und unruhiger, bis ich mir den “nächsten Schuß” setzte.
Damals war dieses Verhalten aber glaube ich noch kein Problem für mich. Es war einfach so! Ich erzählte niemand davon und trieb es heimlich weiter. Es fing erst an problematisch zu werden, als ich älter wurde, damit aufhören wollte und nicht konnte. Teilweise konnte ich nicht zu Verabredungen gehen, weil mein Vaginalbereich so wund gerieben war, dass mir das laufen wehtat. Besonders schlimm war es auch zu den Zeiten, als ich Freunde hatte. Meistens wollte ich mich nach einer Masturbationsattacke mehrere Tage da unten nicht berühren lassen und konnte meinen Freunden natürlich nicht erzählen warum.
Obwohl ich sehr unter meinem zwanghaften Masturbieren gelitten habe, mich geschämt habe und auch verzweifelt war, weil ich es nicht kontrollieren konnte, habe ich nie versucht heraus zu finden, warum ich dass tun muss. Ich habe einfach immer und immer wieder versucht aufzuhören und bin wieder und wieder rückfällig geworden. Ich hatte immer unglaubliche Schuldgefühle nach einer Masturbationsattacke und konnte mir danach im Spiegel nicht in die Augen sehen.
Heute glaube ich zu wissen, woher dieser Drang kommt und tatsächlich kann ich ihn inzwischen kontrollieren und die Energie die sich vor einem Anfall normalerweise in mir aufbaut in andere Bahnen lenken.
Ich habe festgestellt, dass wenn mich unbewusste Schuldgefühle umtreiben, ich ganz hibbelig werde, meine Gedanken verworren werden, ich mich nicht mehr konzentrieren kann und sich ein innerer Druck aufbaut, dann dieses Gefühl in mir stark wird, dass ich masturbieren muss. Wie wenn mir das Masturbieren helfen würde, einen klaren Kopf zu bekommen und mich von den Schuldgefühlen zu befreien. Dabei passiert das Gegenteil!
Ein anderer Aspekt sind die Schmerzen die ich mir dabei zuführe. So nach dem Motto:” Sex tut weh”! Sexualität ist bei mir also an ein schmerzliches Gefühl gekoppelt und nicht an Lust und genießen.
Und letztlich mache ich mich durch dieses Verhalten unempfindlich. Ich töte meine sexuellen Regungen damit ab und mache mich unberührbar.
Ich muss dadurch auch keine tieferen sexuellen Gefühle empfinden, da ich alles was hochkommt schon an der Oberfläche abtöte. Es ist schwierig, etwas aufzugeben, dass man mehr als ein halbes Leben praktiziert hat. Aber je mehr Bewusstheit ich über die Funktionsweisen meines zwanghafte Masturbierens bekomme und die Gefühle die mich dazu treiben erkennen kann, desto mehr bin ich in der Lage, diesen Trieb zu kontrollieren und die Gefühle auszuhalten.

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