Welches sind aus Ihrer Erfahrung mit Paaren die häufigsten Sexfantasien? Oft spielen in sexuellen Fantasien Themen zwischen Macht und Ohnmacht eine zentrale Rolle. Das kann sich so zeigen, dass ein Partner sich wünscht, gegen seinen Willen genommen zu werden oder den anderen zu demütigen und für seine sexuellen Bedürfnisse zu benutzen. Auch kommt es oft vor, dass Partner in ihren Fantasien ausbrechen und mit Anderen abenteuerliche Begegnungen erleben z.B. indem Sie Sex mit einem Fremden haben oder auch mit dem Chef oder gar einem guten Bekannten. Eine im Beziehungsalltag eher gehemmte Frau kann sich so in Fantasie als ungehemmt erleben oder ein sonst eher zurückgenommener Mann sich selbst als dominater Macho, der sich nimmt, was er will. Sexuelle Fantasien kann man sich wie eine Ausgleichsfunktion für die Regungen des Alltags vorstellen. In ihnen erleben wir meist die Inhalte, die uns in unserem Alltag als nicht lebbar oder mit unserer Vorstellung von Partnerschaft als unvereinbar erscheinen. Wichtig ist aber auch: Fantasien und Vorstellungen stabilisieren den Alltag, indem Sie uns ermöglichen, befreiende Gefühle und Szenarien zu erleben, eben ohne aus der Beziehung gehen zu müssen. Der Inhalt der Fantasien ist oft ein sehr deutlicher Ausdruck für die Probleme und Muster der Partner in Beziehung zum anderen und zu sich selbst. Inwiefern unterscheiden sich die weiblichen Fantasien von den männlichen (Szenarien, bestimmte Praktiken…)? Sexuelle Fantasien und die sich in ihnen offenbarenden Szenarien und Symbole sind immer sehr individuell und geprägt durch die eigene Biograpfie und die Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens gemacht haben. Das macht sie auch so komplex und vielschichtig. So wie sich also Erziehung und Prägung unterscheiden, so zeigt sich dieser Unterschied auch in den sexuellen Vorstellungen von Männern und Frauen. Viele Frauen haben in ihrer Entwicklung erfahren, dass Sex etwas „schmutziges“ ist und dass man als sexuelle Frau Gefahr läuft als „Nutte“, „Flittchen“ oder „Hure“ diffamiert zu werden. So kann dies dazu führen, dass die eigene Sexualität durch Schamgefühle überlagert ist. Sexuelle Fantasien gleichen eben diese Hemmnisse aus. So träumen viele Frauen davon, sexuell „übermannt“ zu werden. In Szenarien wie Vergewaltigung durch einen Fremden oder durch mehrere Männer erleben sie sich dann beispielsweise als zur Hingabe gezwungen. So bleibt ihnen dann quasi gar nichts anderes mehr übrig, als Lust zu erleben. Es ist aber auch möglich, dass eine Frau mit diesem Erfahrungshintergrund ihre Lust aus der Vorstellung bezieht, dass sie sich gerade als „hemmungslose Nutte“ über die sie im Alltag einschränkenden Schamgefühle hinwegsetzt. Wenn man – wie viele Männer - erfahren hat, dass man es Frauen immer „recht machen“ muss und dass man, um Annerkennung zu bekommen, immer „verständnisvoll und rücksichtsvoll“ die Forderungen von Frauen erfüllen muss während man die eigenen Gefühle unterdrücken sollte, so kann es sein, dass in Fantasien sich der im Alltag unterdrückte Teil zeigt, der sich nehmen will, was ihm zusteht. Es kommt aber auch genauso vor, dass Männer mit diesem Erfahrungshintergrund insgeheim wünschen, zum Lustobjekt einer Frau zu werden und somit nur noch für die Bedürfniss der Frau da zu sein. Welchen Stellenwert haben Sexfantasien für unser Sexualleben?
Sexuelle Fantasien sind ein wichtiger Wegweiser für unsere persönliche Entwicklung. Sie sind Ausdruck unserer unbewussten Regungen und können uns auf Wünsche und Interessen hinweisen, die uns im Alltag nicht zugänglich sind, weil wir sie als unangenehm, nicht gesellschaftsfähig, schmutzig, peinlich oder schambesetzt erleben. Sexuelle Fantasien fordern uns dazu auf, Teile unserer Persönlichkeit anzuerkennen, zu denen wir bisher keinen bewussten Zugang hatten. Sie zeigen uns, dass wir Aspekte unserer Sexualität bisher vernachlässigt haben und fordern uns zur Integration auf. Sie sind kein Problem – sondern eine Lösung, denn sie ermöglichen uns, in Fantasie belastende Situationen auszugleichen. Wenn eine Sekretärin beispielsweise in Fantasie mit ihrem Chef schläft, so kann das dazu dienen, die Machtverhältnisse, denen sie sich im Alltag unterworfen fühlt, in Fantasie auszubalancieren. Während sie sich im Alltag vielleicht als die „einfache“ Angestellte erlebt, die den Launen ihres Chefs ausgeliefert ist, wird sie in Fantasie dann zur dominaten und fordernden Frau, deren Macht der Chef letztendlich erliegen muss. Die immer fürsorgliche Mutter und Hausfrau kann davon träumen, sich in Fantasie „gehen zu lassen“ und als Domina über mehrere Männer zu herrschen und so ihren im Alltag unterdrückten Aggressionen und Machtgelüsten Ausdruck zu verleihen. Sich auf Erforschungsreise in die Welt sexueller Fantasien aufzumachen kann viel Spaß machen und kann sehr inspirierend für die eingeschlafene partnerschaftliche Sexualität sein. Sie zeigen uns wo unser Lustpotenzial versteckt liegt und können den Sex der Partner bereichern, wenn sie in der richtigen Weise gedeutet und eingesetzt werden. Welchen Stellenwert haben sie in Bezug auf unsere Partnerschaft? Ist beispielsweise der wiederkehrende Traum von Sex mit einem Fremden ein Zeichen, dass mit dem Sex in der Partnerschaft etwas nicht stimmt? Sexuelle Fantasien können grundsätzlich ein Hinweis darauf sein, dass etwas in der sexuellen Partnerschaft fehlt. Das muss aber nicht zwangsläufig heißen, dass wenn der Partner von Sex mit einem Fremden träumt, er nicht zufrieden ist bzw. tatsächlich auszubrechen droht oder die Liebe infrage gestellt ist. Sexuelle Vorstellungen dienen dazu, Gefühle wie auch Ängste, die ein Partner in der Partnerschaft erlebt, auszubalancieren. Besonders in sehr verbindlichen und engen Partnerschaften kommt es oft vor, dass das „eingespielte Team“ an mangelnder Spontanität leidet oder ein Partner zu viel Enge erlebt und (unbewusst) um seine Freiheit fürchtet. Sich vorzustellen Sex mit einem Unbekannten zu haben, kann sich abenteuerlich und unverbindlich anfühlen und so dazu geeignet sein, die empfundene Enge der Beziehung auszubalancieren. Wichtig ist die richtige Sichtweise von sexuellen Fantasien! Sie sind kein Angriff auf die Beziehung, sondern Ausdruck der Triebkräfte in Ihnen und in Ihrer Beziehung. Wenn sie sich die Essenz der Fantasien bewusst machen und versuchen, diese in die partnerschaftlichen Sexualität einzubeziehen, dann kann ein abenteuerlicher und gemeinschaftlicher Entwicklungsprozess beginnen, der beide Partner verändern wird. Weshalb verschweigen wir unsere Fantasien häufig – gerade auch gegenüber unserem Partner? Welche Rolle spielen dabei Scham oder Schuldgefühle? Wir alle haben ein bestimmtes Bild von uns, pflegen eine Vorstellung darüber, wie wir sein wollen und sollten, was richtig und falsch, gut und böse oder stark und schwach ist. Dieses Selbstbild ist durch unsere Erziehung, Moralvorstellungen und Erfahrungen im Umgang mit anderen Menschen beeinflusst. Sexuelle Fantasien konfrontieren und meist mit Aspekten, die unserem Selbstbild widersprechen. So kann es sein, dass eine im Alltag machtvolle Frau sich in Fantasie nach Unterwerfung und Demütigung sehnt oder dass ein Mann, der gelernt hat, Frauen immer nett und zuvorkommend zu behandeln, sich in Fantasie als rücksichtslos und dominant erlebt. Diese Fantasien zu kommunizieren erfordert den Mut, mit unserem manchmal über Jahre gepflegten Selbstbild zu brechen. Wenn wir die Grenzen unserer verinnerlichten Moralvorstellungen überschreiten oder Bereiche erobern, die mit unserem Selbstbild brechen, dann erleben wir oft Schuld und Scham, weil wir dann mit den Aspekten in uns konfrontiert werden, über die man uns vermittelt hat, dass sie schwach, böse, lächerlich, peinlich oder unzumutbar sind. An diesem Punkt kann Entwicklung geschehen, indem man erkennt, dass man durch falsche Scham im Alltag blockiert wird und dass es darum geht, die Schuldgefühle zu überwinden, um die eigene Lust und Sexualität zu erobern. Können Sex-Fantasien ein Risiko für die Partnerschaft darstellen?
Sexuelle Fantasien können eine Partnerschaft sowohl bereichern, als auch gefährden. Das hängt ganz von der Fantasie selbst und auch von der Rolle, die sie zwischen den Partnern spielt und auch von der Vermittlung der Vorstellung ab. Sexuelle Fantasien sind meist begleitet von zwiespältigen Gefühlen. So wünscht sich mit Sicherheit keine Frau, in Realität vergewaltigt zu werden, in der Vorstellung sehnen sich sehr viele Frauen danach. Wenn beide Partner diese Vorstellung auszuleben versuchen, werden sich diese Zwiespältigkeit auch im Alltag zeigen. Diese Gefühle können dann zur partnerschaftlichen Zerreißprobe und zur Quelle von Auseinandersetzungen werden. Seien Sie sich darüber bewusst, dass das, was man sich in der Vorstellung herbeisehnt – bei der Umsetzung zu Widersprüchen führen kann. Fantasien können auch dann ein Risiko darstellen, wenn Sie zwischen den Partnern stehen, d.h. wenn man seinen Partner zwanghaft als Objekt seiner Fantasie betrachten muss. Die Grenze zur Perversion wird dort überschritten, wo die Vorstellung wichtiger wird als die eigentliche Begegnung mit dem Partner und auch, wenn zwischen Spiel und Vorstellung auf der einen Seite und realer Beziehung auf der anderen nicht mehr unterschieden werden kann. Wichtig ist, sich bewusst zu sein, dass eine Fantasie auszuleben sowohl anziehend als auch Angst auslösend sein kann. Es erfordert einen sensiblen Umgang mit den Gefühlen, die mit Eröffnung dieser zwiespältigen Bereiche geweckt werden. Sollten Frauen mit dem Partner grundsätzlich über ihre erotischen Träume sprechen? Oder gibt es Fantasien, die sie unter Umständen für sich behalten sollten?
Das ist davon abhängig, ob die Partnerschaft eine derartige Offenbarung aushält. Sexuelle Fantasien sind meist begleitet von intensiven Gefühlen für den, der sie offenbart und auch für den, der sie sich anhört. Was sich in der Fantasie erotisch und abenteuerlich anfühlt, kann in der Realität auch Angst auslösen. Was beispielsweise, wenn die Frau davon träumt, mit dem besten Freund des Partners zu schlafen? Wie werden beide mit dieser Vorstellung, nachdem sie geäußert wurde und im Raum steht umgehen? Entscheidend ist, ob beide Partner die damit verbundenen Gefühle und Regungen aushalten können oder ob diese Vorstellung nach der Offenbarung Angst auslösend zwischen Beiden steht. Hilfreich dafür ist, sich erst einmal selbst mit seinen eigenen Fantasien auseinander zu setzen und diese zu erforschen. Was genau erleben Sie für Gefühle? Was ist das Kern-Thema Ihrer Fantasie? Vielleicht finden Sie so ja auch Wege, sich in Ihrer Beziehung langsam und schrittweise an die Essenz Ihrer Fantasie anzunähern. Inwiefern kann die Partnerschaft durch das Teilen von Fantasien bereichert werden – sowohl sexuell als auch emotional?
Sich gegenseitig von diesem intimen Bereich zu erzählen kann in einer Partnerschaft eine völlig neue Ebene von Vertrauen und Offenheit begründen. In unserer paartherapeutischen Praxis, haben wir viele Paare in diesem Prozess begleitet und sehr berührende Momente erlebt. Es erfordert oft großen Mut, dem Partner seine Fantasien und die darin erlebten Gefühle preiszugeben. So kann es sich anfühlen, als wenn beide Partner unsicheres Neuland betreten. In diesem Prozess entsteht Anerkennung und Respekt für den Mut des Partners, sich so zu zeigen. Es gibt viel zu gewinnen: Die Partner können sich dabei völlig neu kennen lernen und sich eine facettenreiche und abenteuerliche neue Spielwiese erobern. Wenn Paare einfühlsam und begleitet beginnen, sich die Szenarien Ihrer Fantasien zu erobern, wird Ihre Sexualität stark bereichert. Wenn Sie ausprobieren können und Ihre Regungen nicht unterdrücken und zensieren müssen, dann wird wahrhaftige Begegnung ohne Versteckspiele in der Sexualität möglich. Wie gesteht man dem Partner seine Sexfantasien, ohne ihn vor den Kopf zu stoßen? Und wie kann man versuchen, gemeinsam mit dem Partner einen Teil der Träume wahr werden zu lassen?
Sie müssen ja nicht gleich alle Karten auf den Tisch legen, sondern können erst einmal vorsichtig erforschen, was dem Partner zuzumuten ist und wo ihr Partner steht, indem Sie beispielsweise gemeinsam Erotikmagazine durchstöbert und sich erzählen, was Ihnen gefällt und was nicht. Tasten Sie sich langsam heran! Man kann verschiedene Spielzeuge kaufen und vielleicht auch zuerst mit sich selbst ausprobieren was einem gute Gefühle verschafft. Auch Rollenspiele bieten sich an, um sich die Welt Ihrer Fantasien zu eröffnen. So können Sie erst einmal im Schutz der Rolle die eigenen Grenzen weiten und die damit geweckten Gefühle erkunden. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt – lassen Sie sich inspirieren und suchen Sie nach Ihrem individuellen Weg, sich diese Spielwiese zu eröffnen. Kann es negative Folgen haben, wenn ich meine Träume dem Partner verschweige oder sogar versuche, sie zu unterdrücken?
Je mehr Sie versuchen ihre Träume zu unterdrücken, desto heftiger können Sie sich aus dem Unbewussten heraus bemerkbar machen und so auch in der Partnerschaft an Einfluss gewinnen. Das kann soweit gehen, dass man kaum noch an etwas anderes denken kann und auch im Alltag kontinuierlich mit dem Inhalt der sexuellen Fantasien konfrontiert wird. Die Angezogenheit zu bestimmten Szenarien zu unterdrücken kostet enorm viel Kraft. Beim partnerschaftlichen Sex kann sich eine verdrängte Fantasien quasi dazwischen schieben und die Sexualität komplett überlagern, so dass der Partner nicht mehr wirklich wahrgenommen werden kann, sondern stattdessen in das sexuelle Szenarium eingebaut wird. Die Grenze zwischen Fantasien und Realität kann verschwimmen. Da sexuelle Fantasien meist auch von zwiespältigen Gefühlen begleitet sind, können sich diese dann auf den Partner übertragen werden und das Verhalten ihm gegenüber beeinflussen. Fantasien lassen sich nicht unterdrücken – erforschen Sie sie! Selbst wenn entsprechende Fantasien dem Partner nicht mitgeteilt werden können, so ist es doch wichtig, sie für sich selbst zuzulassen und die Fantasien als Erkenntnisprozess zu nutzen.
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